Ein persönliches Wort zur SuedLese 2026
Über Kritik, Kriterien und Grenzüberschreitungen
Hamburg, 01. April 2026
Seit mehr 20 Jahren engagiere ich mich persönlich und finanziell für eine lebendige Kulturszene in unserem Bezirk. Seit mehr als zehn Jahren auch um die SuedLese Literaturtage, die just vor Ostern wieder ihr diesjähriges Ende finden.
Mein Ziel war es stets, Räume für Kultur und Begegnung und so auch Literatur zu ermöglichen und zu schaffen. Doch die jüngsten Ereignisse rund um die diesjährigen SuedLese Literaturtage zwingen mich zu einer grundsätzlichen Klarstellung.
Der Kontext
Die SuedLese Literaturtage sind in mehr als 10 Jahren zu einer Dachmarke der literarischen Szene des Hamburger Südens geworden. Veranstaltende und Autor*innen organisieren Lesungen, Workshops und Kurse autark. Unter der Marke der SuedLese bekommt die Literatur dann geballt eine besondere Aufmerksamkeit.
Im Vorfeld der SuedLese wurde ich als Verantwortlicher im Sinne des Presserechts und des Programmheftes mit massiven Vorwürfen konfrontiert, die sich auf bedenkliche, nein: widerwärtige, schändliche und mehr als kritisierbare Kommentare auf Social-Media-Posts eines beteiligten Autors bezogen. Unstrittig.
Man forderte von mir die sofortige, offizielle Ausladung und ein öffentliches Schuldbekenntnis.
Lassen Sie mich eines voranstellen: Mich von dem Autor zu distanzieren hätte einer Nähe bedurft, die es nicht gab und gibt. Auch ein Ausladen hätte einer Einladung bedurft, die in der Grundstruktur der SuedLese nie angelegt war und ist. Und: Kritik an Inhalten, persönlichen Haltungen (auch meiner) ist legitim und sogar notwendig. Doch Kritik leitet sich von Kriterien ab. Wenn eine Auseinandersetzung jedoch als „Postulat“ und unter Androhung von Konsequenzen geführt wird, verlassen wir den Boden eines demokratischen Miteinanders.
Die Grenzüberschreitung: Denunziation statt Diskurs
Was mich zutiefst befremdet hat, ist die Methode dieser Kampagne. Es gab an keiner Stelle den Versuch eines Dialogs. Es wurden gezielt Autor*innen und Leseorte der SuedLese von einer vermeintlichen, aber real wohl nicht existenten Besucherin angeschrieben, um Unsicherheit zu säen, Distanzierungen (nicht vom Autoren sondern vom gesamten Lese-Format) zu provozieren und das Netzwerk zu polarisieren – nein: zu spalten.
Das ist keine inhaltliche Kritik mehr. Das ist ein Akt der Denunziation und der versuchten Zerstörung eines kulturellen Gefüges. Dass dieser „Shitstorm“ zudem in „Sozialen Medien“ befeuert wurde, deren hasserfülltes Niveau man anderenorts völlig zu Recht beklagt, zeigt eine heuchlerische Strategie auf: es wird Weltoffenheit gepredigt, aber Methoden der Verleumdung und „Kollektivhaftung“ genutzt, um die Werte, die man zu verteidigen vorgibt, zu beschädigen. Sich als Harburger Bündnis „Einig gegen Rechts“ und unter dem Dach der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN Hamburg) unbedarft Methoden zu bedienen, die eben in der nationalsozialistischen Verfolgung System waren, ist für mich kaum zu ertragen.
Das „Niveau als Heimat“ (nach Dietrich Bonhoeffer)
In Momenten, in denen die Sachlichkeit verloren geht, orientiere ich mich an Dietrich Bonhoeffer. Und dabei sei betont, dass ich kein „Fan“ von seinen Werken oder Weltanschauung bin – und auch keinerlei theologische Prägung habe. Er beschrieb aber in seinen Texten aus dem nationalsozialistischen Widerstand recht ausdrücklich, dass Qualität der stärkste Feind der Vermassung sei. Er erkannte, dass wir es oft mit einer Form der moralischen Verblendung zu tun haben, die gegen Argumente immun ist. Wenn Menschen sich im Besitz der alleinigen Wahrheit wähnen, werden sie „leicht gereizt und gehen zum Angriff über“. Kurzum: gegen Dummheit zu argumentieren ist aussichtlos.
Wenn mein Beharren auf demokratischen Prozessen und der Eigenverantwortung der Veranstaltungsorte als „institutionelle Feigheit“ diffamiert wird, ist das Gespräch am Ende. Ich weigere mich, mich diesem Diktat zu beugen. Verantwortung kann man nicht befehlen; man muss um sie ringen.
Mein Fazit
Kultur braucht Freiheit und einen respektvollen Umgang. Ich habe mich entschieden, die persönlichen Verunglimpfungen zu ertragen, statt die Prinzipien der SuedLese – Eigenverantwortung der Akteure und gemeinsam trotz Verschiedenheit – zu opfern. Ich stehe für einen Diskurs, der hart in der Sache, aber anständig in der Form bleibt. Alles andere ist keine Kultur, sondern deren Ende.
Heiko Langanke
Hauptinitiator der SuedLese Literaturtage und Verantwortlicher im Sinne des Presserechts







